Menorca
Montag 08 September 2008

Stadt von Maó, Menorca

Menorca
Mahón, Menorca
Menorca

Im letzten Vierteljahrhundert wurden einige Maßnahmen zur Modernisierung der Stadt durchgeführt. Besonders positiv und erwähnenswert ist dabei die Restaurierung zahlreicher öffentlicher und privater Gebäude. Maó hat mit seiner Geschichte Frieden geschlossen und zeigt sie mit gerechtfertigtem Stolz den Besuchern. Nachdem nun gerade das dritte Jahrtausend unserer Ära angebrochen ist, strahlen die Bauwerke, die Sinnbild des Wachstums ab dem 18. Jahrhunderts sind, in neuem Glanz. Sie sind auf gelungene Weise der neuen Zeit angepasst worden, so dass sie in der modernisierten Stadt wieder ihre alte Bedeutung zurückgewonnen haben. Von der Stadt Maó vor der katalanisch-aragonesischen Eroberung haben nur einige Referenzen überlebt, die man in Büchern und Museen findet. Zwischen den Jahren 1287, als Alfons III die Verstärkung der existierenden Festung beschloss, und der Ankunft von Barbarossa im Jahr 1535 hatte sich der mittelalterliche Stadtkern so stark ausgedehnt, dass die Verteidigung auf eine zweite Stadtmauer verlagert werden musste. Nach dem Jahr 1600 wurde auch diese Grenze überschritten. Aber es war die britische Herrschaft, welche der Stadt den Hauptstadtstatus verlieh und so noch viel mehr Veränderungen bewirkte, die auch heute noch, Jahrhunderte später, die Stadt kennzeichnen. Egal wo Sie sich in der Stadt bewegen, Sie treffen unvermeidlich immer wieder auf die Spuren jener Zeit. Ein guter Ausgangspunkt ist am Pla del Monestir, wo Sie die Kirche und den Kreuzgang Sant Francesc besuchen können, in dem sich heute das Museu de Menorca befindet. Zunächst wurde das Kloster, dann die Kirche während des gesamten 18. Jahrhunderts erbaut, was die barocke Dekoration über einem veralteten gotischen Ansatz erklärt, der jedoch nützlich war, um in Etappen zu bauen. Nach Besichtigung der Architektur und der Sammlung des Museums sollte man sich auch die umgestalteten Außenanlagen anschauen, von denen aus man den Hafen sehen kann, der alle vorher erwähnten Veränderungen verursachte, und das Viertel Dalt Vilanova im Westen. Von dort aus geht es durch die Straße Isabel II weiter, voller Herrenhäuser und hängender Emporen (die Landschaft, welche die Moll de Llevant) beherrscht, und dort steht Cas General, die Residenz, die sich einst Kane auserwählte und die als Sitz der Militärregierung fortdauerte. Diese Route endet am Kloster der Konventualen und am Rathaus mit der neoklassischen Fassade dahinter. Um sie von vorne zu sehen, muss man sich auf den Pla de sa Parròquia, Plaza de la Constitución begeben. Dieser Platz, der jeden Tag von Fahrzeugen besetzt wird, die irgendwo geparkt werden müssen, wartet auf Feste und Feiertage, um ähnlich betäubende Tage wie die verkehrsreichen zu erleben, jedoch viel mitreißendere. Auf diesem Platz befinden sich auch das militärische Gebäude Principal de Guàrdia und die Kirche Santa Maria, die ab 1848 dort erbaut wurde, wo sich vorher die von Alfons III errichtete Kirche befand. An ihrer Fassade unterbricht nur der Glockenturm, der ein Jahrhundert später erbaut wurde, ein wenig die Schwerfälligkeit eines übermäßig großen Komplexes, aber das Innere des Gebäudes wird von der wundervollen monumentalen Orgel verschönert. Diese Orgel wurde von den deutschen Orgelbaumeistern Otter und Kirburz konstruiert und besitzt 3210 Orgelpfeifen und vier Manuale und bezaubert die Zuhörer während der Konzerte, die von berühmten, internationalen Interpreten gegeben werden. Vielleicht ist sie der Grund für die engagierte Musikbegeisterung der Bürger von Maó. Vom Pla de sa Parròquia gelangt man zur Plaça de la Conquesta, und zwar durch die enge Gasse, die Alfons III gewidmet ist, dessen Abbild außerdem auf dem Platz als Denkmal steht. Es folgt das Zentrum der Burg, die von den Mauren errichtet wurde und um die herum das mittelalterliche Maó entstand. Insbesondere der Palast Can Mercadal, der heute als öffentliche Bibliothek genutzt wird, und der Aussichtspunkt in der Nähe des Gebäudes rechtfertigen den Besuch dieser Anlagen. Wenn Sie den Platz auf der Seite verlassen, die der, von der Sie hereinkamen, gegenüber liegt, gelangen Sie auf die Straße Costa de ses Voltes, der wichtigste Zugang zur Stadt vom Meer aus. Von hier aus kann man die Stufen zum Kai hinabsteigen, ein Park aus Gruppen von Pflanzeninseln, die zwischen den Mäandern des grauen Asphaltflusses aufgetaucht zu sein scheinen. Für denjenigen, der die aufeinander folgenden Treppenabschnitte herabsteigt, ändert sich die Sichtweise. Das Gefälle und die Wände der Steilküste sind beeindruckend, ebenso das Konzept des Originalprojektes (1951, Josep Claret), aber die letzten Eingriffe in diese Gartenanlagen, die auch Parc Rochina genannt werden, haben die beängstigende Wirkung ein wenig besänftigt. Die Häuser, die diesen Park umgeben, das modernistisch inspirierte Haus Casa Mir, und die Peixeteria, der funktionelle Fischmarkt, sind Werke von Francesc Femenías. Dieser Architekt, der während der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert zahlreiche einzigartige Häuser, Lager und Fabriken schuf, leitete auch in seiner Funktion als städtischer Architekt wichtige Bauarbeiten der Stadt. Den Besuch des Hafens sollte man ruhig auf einen anderen Tag verschieben, an dem man sich diesem ausschließlich widmet, und so ist die nächste Etappe das nahegelegene Kloster Carme. Einst ein Karmeliterkloster wurde es später zum Justizpalast und Gefängnis, und heute befindet sich dort ein Kulturzentrum mit mehreren Sälen. In einem davon wird die Sammlung der Stiftung Fundació Hernández Mora ausgestellt. Im Kreuzgang wird heute ein Markt abgehalten, auf dem Fleisch, Obst und Gemüse verkauft wird, und der schon über ein Jahrhundert lang dort stattfindet. Unterhalb des zentralen Hofes wurden neue Einkaufsflächen geschaffen, die mit der Tiefgarage auf der Plaça Miranda verbunden sind. Auf diesem Platz befindet sich ein anderer Aussichtspunkt mit einem wundervollen Blick auf den Hafen, und von der benachbarten Plaça del Príncep und der Straße Anunciavay aus gelangt man in die Fußgängerzone, welche die Straßen S’Arravaleta und Nou, Deià und Hannover (Costa de sa Plaça) und die Plaça Colom mitsamt den Gässchen, die von diesem Platz ausgehen, einschließt. Die Geschäftigkeit in diesen Straßen dient als Thermometer für den Beginn und das Ende der Feriensaison. Gleich am Anfang der steilen Gasse Deià befindet sich das Tor zur Passage zum Parc des Freginal, eine moderne Grünzone an dem Ort, wo sich einst die Gemüsegärten der Stadt befanden. Ein Bauwerk, das die Begeisterung der Bürger für das Theater und die Musik widerspiegelt, befindet sich am Ende dieser Straße, nämlich das Teatre Principal, als Opernhaus im Jahre 1829 eingeweiht und somit sogar älter als das Liceu von Barcelona. Ganz in der Nähe auf der Plaça Bastió befinden sich die Türme des Arc de Sant Roc, die letzten Zeugen des zweiten Rings von Stadtmauern. Doch der Weg führt zurück in eine andere, geschichtsträchtige Straße, Doctor Orfila oder Carrer de ses Moreres, und dann durch die Straßen Cifuentes und Cós de Gràcia. Diese letzte Gasse war ehemals der Weg zur Wallfahrtskirche Verge de Gràcia, der Schutzheiligen der Stadt. Dort werden an Feiertagen prächtige Reitwettkämpfe ausgetragen. Eines der sehenswerten Gebäude in Del Cos ist die Kirche de la Concepció, die von der griechischen Kolonie, die in die Stadt kam, im 18. Jahrhundert als orthodoxer Tempel errichtete wurde. Wenn man bedenkt, dass es auch eine jüdische Synagoge und andere große Kirchen aus der gleichen Epoche gibt, kann man schlussfolgern, dass ein relativer Reichtum herrschte und dass die Abschaffung der Inquisition durch Kane die Religionsfreiheit möglich machte. Die Straße Cifuentes wurde bereits erwähnt, dort befindet sich das Ateneo Científico, Literario y Artístico (wissenschaftlicher, literarischer und künstlerischer Kulturverein). Dieser Verein, der zahlreiche kulturelle Aktivitäten fördert, zeigt auch in seinen Räumlichkeiten eine wertvolle Algen- und Fossiliensammlung. S’Esplanada kann den Abschluss dieses Rundgangs in der Altstadt bilden, könnte aber auch ein neuer Ausgangspunkt sein, da sich hier der Kilometer Null für die Verkehrsverbindungen von Maó zu den übrigen Inseln befindet. Der neue Omnibusbahnhof befindet sich dort, wo vorher die Quartiere der britischen Truppen waren. Auf der ehemaligen Waffenplatz flattern die Tauben herum. Die Jungen verabreden sich, die Älteren gehen spazieren, und der Kleider- und Kunsthandwerksmarkt lockt zweimal wöchentlich die Mengen an. Obwohl auch hier die Benutzung und die Räume durch bauliche Eingriffe reorganisiert wurden, entstehen weiterhin Energien, die das städtische Leben nähren. Ein guter Ort, um die Füße auszuruhen und das Gesehene zu verdauen. Und dann geht es weiter. Was bisher aufgeführt wurde, ist noch lang nicht Alles. Da sind noch Straßen wie S’Arraval, Camí des Castell, Gràcia und San Fernando, andere Achsen für mögliche Streifzüge; an der Grenzlinie zum Industriegebiet befindet sich der lehrreiche Park Rubió i Tudurí, in dem die einheimischen Pflanzen erklärt werden. Und falls Sie dann noch mehr Zeit haben, erforschen Sie die Umgebung, denn es lohnt sich.

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