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Donnerstag 24 Juli 2008
Geschichte aus Menorca![]() Menorca teilt sich mit seinen Nachbarinseln seine Beziehungen zu allen Seefahrervölkern im antiken Mittelmeer, die Zugehörigkeit zur moslemischen Zivilisation, die in Spanien bis zu den Katholischen Königen (15. Jahrhundert) dominierte, und die spätere Kolonisierung durch das Königreich von Katalonien und Aragón. Doch es gab auch eine unabhängige Verhaltensweise in jener Epoche, und die besonderen Umstände im 18. Jahrhundert führten zu einem eigenen Werdegang, welcher der Insel differenzierende Charakterzüge verlieh, die sie von dieser Untertanenrolle entfernte, die ihr manchmal zugewiesen wurde. Als die Präsenz der Briten durch den Frieden von Utrecht (1713) gutgeheißen wurde, benutzen sie den Hafen von Maó bereits ein halbes Jahrhundert als eine ihrer wichtigsten Basen im Mittelmeer. Tatsächlich stellten diese Änderungen der Nationalität im 18. Jahrhundert (Briten, Franzosen und Spanier wechselten sich in der Ausübung öffentlicher Funktionen ab) eine wesentliche Verbesserung nach den bedrückenden Erfahrungen im 16. und 18. Jahrhundert dar. Es gab Jahre der Unwissenheit und Ungewissheit mit internen Auseinandersetzungen und unter ständiger Bedrohung von außen durch Piraten jeder Art, und später Seuchen und Hungersnöte, welche die Bevölkerung dezimierten. Manchmal wird gesagt, dass die Spur der einander ablösenden Besatzer der Insel nur deshalb länger als in anderen Breitengraden erhalten blieb, weil die Bevölkerung sich mehr oder weniger an die Lebensweise der Ausländer anzupassen wusste. Bis heute haben sich arabische Ortsnamen erhalten, rafal oder bini zum Beispiel, und häufig treten Worte oder Wendungen auf, die sich aus dem Englischen ableiten. Aber es war genau diese Aufrechterhaltung einer nicht ausschließenden Identität, zu der man - je nach Stärke der Unterdrückung - nach jeder Beschlagnahmung der Unabhängigkeit wieder zurückfand, die Menorca so stark gegen jede Übernahme machte. Schwach aufgrund der Insellage hatte Menorca dennoch Vorteile, um Zwischenfällen widerstehen zu können. In der Vergangenheit war es die Unterwerfung einer Gesellschaft mit einem stark ausgebildeten Klassensystem unter die eigenen Regierungsinstitutionen, was den Zusammenhalt begünstigte. Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass seit der Einführung der katalanischen Sprache diese auf der Insel niemals verloren ging; heute ist sie die offizielle und gemeinsame Sprache der Balearischen Inseln. Die Sprache wirkt wie ein Rückgrat der Einheit und Identität, auch wenn Unterschiede in der Phonetik und im Wortschatz zwischen den Inseln oder sogar zwischen den einzelnen Gemeinden bestehen. Um wieder auf das zurückzukommen, was anfänglich erwähnt wurde, das Zusammenleben zwischen Soldaten und Zivilpersonen verschiedener Sprachen und sogar verschiedener Religionen im 18. Jahrhundert war etwas Besonderes, da es sich hauptsächlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten auswirkte. Und weil es bedeutete, nach Europa, also in die Welt zu gelangen, wie man dies in der damaligen Epoche sah. Man darf auch nicht annehmen, dass jene Verwaltungen alle Strukturprobleme lösen konnten, aber sie veränderten doch den Sinn der Chroniken. Obwohl mit der Rückkehr der spanischen Verwaltung auch das absolutistische Siegel wieder da war, obwohl immer mehr Freiheit verloren ging und die Armut wiederkam, die zu einem anderen der erlittenen Migrationsprozesse führte – dieses Mal in Richtung Algier und in die Städte im Norden Afrikas – waren die Menorquiner keine autistische oder abdriftende Gemeinschaft mehr, und würden es auch nie wieder sein. Als die Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts einen relativen Aufschwung ermöglichte, wurden die neuen Produktionsmethoden und die Entstehung einer Arbeiterbewegung zur Keimzelle vieler gesellschaftlicher Veränderungen. Die Insel begann das 20. Jahrhundert wirklich mit dem Willen zur Demokratie und zum Fortschritt, wenn man auch noch Angst vor dem Auf und Ab der Wirtschaft hatte. Doch herrschte eine Atmosphäre der Freiheit, die sich stark von der Tyrannei unterschied, die an anderen Orten zu finden war. Vielleicht hatte deshalb der Spanische Bürgerkrieg so traumatische Auswirkungen auf die Gesellschaft Menorcas. Und zwar Auswirkungen vor dem Krieg, während des Krieges und sehr lange nach dem Krieg, eigentlich bis Juni 1977, als in den ersten freien Wahlen nach der Zweiten Republik die Balearische Gemeinschaft erneut die Gelegenheit bekam, eigene und für jede Insel spezifische Regierungsorgane zu wählen. ![]() |