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Freitag 29 August 2008
Stadt von Ciutadella, Menorca![]() ![]() ![]() Die “andere Hauptstadt” der Insel ist attraktiv und gleichzeitig auch sehr gastfreundlich. Deshalb wird sie während der touristischen Hochsaison auch von Menschen überflutet. Die Straßen und Plätze sind überfüllt und im Hafen reichen die Anlegeplätze nicht aus. Man muss warten, bis die zahlreichen Besucher sich auf die Strände verteilt haben, um in der Stadt die Ruhe zu finden, die während der übrigen Monate dort herrscht. Die Altstadt mit ihrer langen Geschichte, die sich in den Straßen und in der Erinnerung der Bürger wiederfindet, wirkt dann sehr still und besinnlich. Man kann leicht den bogenförmigen Verlauf der alten Stadtmauern erraten, die heute in drei aufeinanderfolgende Promenaden aufgeteilt ist, Constitució, Jaume I und Capità Negrete. Im Volksmund wird sie Sa Contramurada genannt. Zwei beeindruckende Bollwerke begrenzen sie, auf einem davon steht das Rathaus, das während der moslemischen Herrschaft eine Festung war, und in dem anderen befindet sich das Museu Bastió de sa Font. Sie dominieren auch den Hafen und dessen Verlängerung Pla de Sant Joan, wo Reiterspiele während der Festtage stattfinden. In der mittelalterlichen Stadt innerhalb dieser Stadtgrenzen stehen zahlreiche interessante Gebäude. Ihr Rückgrat geht von der Plaça de Alfons III bis nach Es Born. Diese Straße heißt bis zur Plaça Nova Camí de Maó wie die alte Zufahrtsstraße zur Stadt, die gegenwärtig durch eine Haupt-Landstraße ersetzt wird. Danach heißt sie Ses Voltes (Carrer Josep Maria Quadrado), und die schmale Fahrbahn verläuft zwischen den von Säulen getragenen Gewölben der Häuser. Die harmonische Aufeinanderfolge von Bögen wird durch die Erweiterung des Platzes Sa Plaça Vella unterbrochen, auf der eine Darstellung aus Bronze des emblematischen Be (Lamm) de Sant Joan steht (eine feine Miniaturskuptur von Matías Quetglas). Dieser Platz befindet sich hinter der Kathedrale, wo die Religiosität und das städtische Gewissen wie ein wirkliches und symbolisches Zentrum dieser Geografie zusammentreffen. Obwohl das Gebäude nicht höher als die anderen ist, beeindruckt La Seu den Beobachter aufgrund der Lage, und der freie Raum um sie herum hebt diese überwältigenden Dimension noch hervor. Die Kirche Santa Maria wurde im 14. Jahrhundert über einer alten Moschee errichtet, die bereits für den christlichen Kult seit der Ankunft Alfons, des III., auf der Insel benutzt wurde, und wurde im Jahre 1795 zur Kathedrale. Der Bau richtete sich nach dem Modell der katalanischen Gotik und besteht aus einem einzigen, großem Kirchenschiff mit mehreren Seitenkapellen. Sie wurde so oft renoviert und rekonstruiert, dass es nicht überrascht, barocke Elemente wie die Capella de ses Ànimes, oder neoklassische wie die Hauptfassade zu finden. Als wichtigste Kirche der Stadt hat sie ihre Freuden und Leid erfahren. Die türkischen Horden der Paschas Mustafá und Pialí plünderten sie im Jahre 1558, s’Any de sa desgràcia (das Jahr des Unglücks), und setzten das Gebäude in Brand. Auf der Pla de la Seu erhebt sich auch der Palau Olivar, dessen nach vorne gerückte Fassade den Verkehr in Richtung Es Born zu überwachen scheint. Sie sollten jedoch zunächst einen Streifzug durch die kleinen Gassen machen. In der Carrer del Bisbe befindet sich der Bischofspalast, und in der benachbarten Gasse Sant Sebastià der barocke Palau Squella, im italienischem Geschmack des 18. Jahrhunderts. Ein Stück weiter in der Carrer Santa Clara befindet der Palast des Baró de Lloriac, der den ältesten Adelstitel des lokalen Adels innehatte. Dieser Palast steht auf der Ecke der Straße Dormidor de ses Monges, wo sich das Kloster der Klarissen befindet, das eng mit den Wechselfällen der Stadt verbunden ist. Wenn Sie durch die gleiche Straße nach Ses Voltes zurückkehren, wo immer starker Verkehr herrscht, heißt die Straße Bisbe Vila, aber im Volksmund wird sie Carrer del Seminari genannt, da sich dort das Augustinerkloster von Socors befindet, ein Renaissancegebäude, das Sitz des konziliarischen Seminars ist. Im Kreuzgang dieses Seminars findet im Sommer das Musikfestival statt, und auch die Capella Davídica spielt dort, eine Institution, aus der wundervolle Stimmen hervorgegangen sind. Vorher kamen Sie jedoch schon an einer anderen kleinen Kapelle vorbei, Sant Crist, und an einem anderen Palast, der dem zweiten Zweig des Hauses Saura gehört und in dem heute eine Bank untergebracht ist. Hinter Socors öffnet sich ein Platz mit Eigenleben, der Markt auf der Plaça de la Llibertat mit seiner modernistischen Architektur aus Eisen, die einen Sprung von zweihundert Jahren in dieser Umgebung darstellt, jedoch schon genügend Tradition hat, um nicht unangenehm zu wirken. Weitere Paläste stehen in der Straße Santíssim, die Paläste Saura und Martorell, und die Kirche del Roser, die säkularisiert wurde und als Kulturzentrum benutzt wird, und es folgen weitere kleine Gassen, in denen man Intimität und Ruhe findet. Dann gelangen Sie auf den Born, wo durch Villen wie Salord und Olivar aus dem 19. Jahrhundert die Absicht, repräsentative Häuser, also Herrenhäuser und Paläste, zu schaffen, geradezu verherrlicht wird. Der spektakulärste Teil dieser Architektur ist normalerweise die Fassade. Der Born Obelisk kann als eine Art erhobener Zeigefinger betrachtet werden, der den Himmel anklagt, weil er in der Not verlassen wurde. Aber dieses Denkmal, das an die Opfer der türkischen Angriffe erinnert, kann auch als eine Bestätigung der Größe betrachtet werden, auf die man nicht verzichtet. In Ciutadella de Menorca ist die Vergangenheit immer präsent, und die Rolle, welche die Stadt spielte, war nicht immer eine angenehme. Die Tatsache, dass die Briten ihr den Hauptstadttitel entrissen, hat zum Beispiel nie verhindert, dass der Stolz erhalten blieb, der mit diesem Titel verbunden ist. Gegenüber den vorher erwähnten Palästen befindet sich das Rathaus, und auf einer Seite das Teatre des Born, von dem man über die Treppen der Baixada Capllonch zum Hafen gelangt. Der andere Zugang befindet sich an der Costa des Moll, die sich zwischen dem Platz und der anliegenden Esplanada des Pins öffnet, ein anderer Erholungsort in der Stadt. Wenn man anstatt zum Hafen hinunterzugehen den Passeig de Sant Nicolau entlang geht, kommt man zur Hafeneinfahrt und zum offenen Meer und dann zum Passeig Marítim, der dem Profil der Bucht Cala Degollador folgt. Auf dem Platz Almirall Farragut, ein berühmter, nordamerikanischer Seemann, der aus Ciutadella stammte, erhebt sich das Castell de Sant Nicolau, ein eleganter Militärbau, eigentlich ein isolierter Turm, auf dem sich noch ein zweites Türmchen für die Wachen erhebt. Der Grundriss ist achteckig und die Burg ist von einem Graben umgeben. Hier befand sich die Artillerie, die Angriffe aus dem Meer zurückschlagen sollte. Die Burg wurde von spanischen Baumeistern gegen Ende des 17. Jahrhunderts entworfen, und ersetzt eine andere, von der das Wappen stammt, das sie zur Schau stellt, die Waffen der Krone von Aragó. Diese Festung kann seit der vor kurzem erfolgten Restauration umsonst besichtigt werden. Schließlich soll noch erwähnt werden, das sich der Geist des Sommers jedes Jahr in Ciutadella materialisiert, wenn die Feste zur Johannisnacht beginnen, dann zeigt die Stadt ihr mediterranes Herz, das unter dem ehrwürdigen Äußeren schlummert. Und sie ruht solange nicht mehr aus, bis die Tage wieder kürzer werden. Schließlich muss man die Nächte bevölkern und mit Musik untermalen, und diesen nüchternen Ruf widerlegen, dass es sich um eine Stadt voller Klöster handelt. Der Hafen wird natürlich zum Marktplatz, auf dem die Nachtschwärmer sich auf diesem Laufsteg der Illusionen amüsieren. ![]() |