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Donnerstag 24 Juli 2008
Architektur aus Menorca![]() Die Architektur spiegelt recht treu die Entwicklung, das Wachstum oder die Dekadenz eines Volkes wieder. Sie kann der unerschütterliche, unbestechliche und fast immer ungerührte Zeuge des Verhaltens in der Vergangenheit sein, und sie kann zu einem Notar werden, der Tag für Tag ohne transzendente Auslassungen registriert. In Menorca kann man in den Häusern und Monumenten die Geschichte “lesen”, das Vorbeiziehen und das Siedeln verschiedener Völker und Kulturen in diesem Territorium, bei Besuchen an den prähistorischen Fundstätten oder Spaziergängen in den Straßen und Dörfern. Die Architektur erteilt detaillierte Lektionen darüber, wie man existieren und überdauern kann. Aber außerdem gibt es hier in den ländlichen Gegenden eine sehr typische Architektur, die aus den unzähligen Steinmäuerchen (paret seca) besteht, welche das Land von dem des Nachbarn abgrenzen und die Felder vor dem Wind schützen. Innerhalb des großen Karomusters, das sie zeichnen, befinden sich die weißen Häuschen wie Tupfen inmitten der grünen Felder oder bilden Schwärme um die Dörfer. Dieses Bild wird gerne benutzt, wenn man außerhalb der Insel für Menorca wirbt. Die Häuser bestehen aus großen Sandsteinblöcken (marès) und Oleasterholz (ullastre), die einzigen Baumaterialien, über die man in der Vergangenheit verfügte und die man überlicherweise “vor Ort” fand. Die Dächer sind mit arabischen Dachziegeln bedeckt, welche das erste Glied eines Auffangsystems bilden, mit dessen Hilfe das so notwendige Wasser in Zisternen und Wassertanks gespeichert wird. Sie verfügen über Backöfen für Brot und große Speisezimmer, in denen den Tagelöhnern das Essen gereicht wird. Gegen das rauhe Klima schützen sie sich mit kleinsten Öffnungen in Richtung Norden und Verandas (porxades) zum Süden. Sie wachsen in dem Maße, in dem die Arbeit mehr wird und die Familien wachsen, die darin wohnen... Die ländlichen Häuser in Menorca sind ein gutes Beispiel für die Anpassung an die Umwelt, obwohl sie eines Tages ein Echtheitszeugnis benötigen werden. Unter dem Gesichtspunkt des Beitrags des Menschen zur Landschaft werden sie immer wichtiger, je mehr der Agrarsektor an Gewicht verliert. Die größeren und schöneren von ihnen wurden zu beliebten, ländlichen Hotels umgebaut, oder sie stehen kurz davor. Es gibt Gutshöfe, die einst landwirtschaftlich genutzt werden und auf denen man heute seine Ferien verbringen kann. Diese liebenswerten weißen Häuschen, die einen “großen Garten” besitzen und die so weit von der verschmutzten Umwelt entfernt liegen, haben eine neue Bevölkerung angezogen, die Städter, welche immer mehr die alten Bewohner ersetzen. Diese Nachfrage hat die Kaufpreise nach oben schnellen lassen, so dass ein großes Risiko der “Verstädterung des Landes” besteht, und der damit verbundenen Verbreitung eines Urbanisierungsmodells, das reines Blendwerk ist. ![]() |